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Menschen in Lebens- und Entwicklungsprozessen

Aktualisiert: 7. März


Wenn das Leben Sie ruft: Wie Sie Umbrüche bewusst gestalten und zu sich selbst finden


von Thomas Manhartsberger - Lebens- und Sozialberatung, Coaching & Supervision in Wien


Es gibt Momente im Leben, in denen das Vertraute plötzlich nicht mehr trägt. Ein Beziehungsende, ein Jobverlust, eine gesundheitliche Krise – oder schlicht das leise, aber unüberhörbare Gefühl: So kann es nicht weitergehen. Wenn das Alte nicht mehr passt und das Neue noch nicht greifbar ist, befinden Sie sich mitten in einem Lebens- und Entwicklungsprozess. Und genau dieser Zwischenraum ist – so unbequem er sich anfühlen mag – einer der fruchtbarsten Orte der menschlichen Entwicklung.


1. Warum Krisen Entwicklungschancen sind


Krisen stören. Sie reißen uns aus gewohnten Bahnen, erschüttern unser Selbstbild und zwingen uns, Fragen zu stellen, die wir lange verdrängt haben. Und genau darin liegt ihre eigentliche Kraft.


Viktor Frankl, der Wiener Psychiater und Begründer der Logotherapie und Existenzanalyse, hat es treffend auf den Punkt gebracht:


Sinn wird nicht gefunden – er wird gelebt und geschaffen.


Titelbild zu Coaching in Entwicklungskrisen

Und Krisen sind Zeiten, in denen wir besonders gefordert sind. Es gibt aber auch gute Nachrichten. Jede Lebenssituation, selbst die schmerzhafteste, trägt das Potenzial in sich, uns tiefer zu uns selbst zu führen. In einer Krise kommen wir unserem Inneren unweigerlich näher. Wir werden gezwungen, innezuhalten, alte Handlungsabläufe zu hinterfragen und Entscheidungswege, die uns nicht mehr dienen, loszulassen oder zu adaptieren.



Aus psychologischer Perspektive wissen wir: Veränderung setzt nicht nur rationale Einsicht voraus – sie braucht ebenso emotionale Beteiligung und persönliches Empfinden. Ein Wachstum durch Widerstand, wie es in der Existenzanalyse beschrieben wird, entsteht dann, wenn wir bereit sind, den Schmerz nicht wegzumachen, sondern ihn als Botschaft zu lesen. Darin steckt enorm viel Potential für die Selbstentfaltung.  Persönliches Wachstum entsteht nicht dadurch, dass unangenehme Gefühle bzw. Schmerz sofort „beseitigt“ werden, sondern dadurch, dass man den Schmerz aushält, ihn erforscht und verstehen beginnt, was im eigenen Leben gerade verletzt, bedroht oder unvereinbar mit den eigenen Werten und Bedürfnissen ist.


2. Lebensübergänge: Wie wir uns durch Adoleszenz, Beruf, Pension und Abschied immer wieder neu erfinden


Lebensübergänge sind Phasen, in denen sich Rollen, Beziehungen oder der Alltag spürbar neu ordnen – und genau deshalb betreffen sie praktisch alle Menschen, wenn auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten und in unterschiedlicher Intensität. Ob ein Übergang als Krise, als Befreiung oder als stille Neuorientierung erlebt wird, hängt dabei nicht nur von der Person ab, sondern auch von Timing, sozialem Kontext und „verknüpften Leben“ (Familie, Partner:in, Kolleg:innen) – also davon, dass Lebensläufe miteinander verbunden sind.


Zu den relativ universellen Übergängen zählt die Adoleszenz: Der Körper verändert sich, soziale Zugehörigkeit wird neu verhandelt, und die Frage nach Identität („Wer bin ich?“) wird zentral. In vielen Gesellschaften schließt sich heute oft eine Phase an, die als „Emerging Adulthood“ beschrieben wird (grob späte Teens bis Ende 20): Auszug/Umzug, erste längere Partnerschaften, Bildungsabschlüsse, Berufsstart und das Gefühl, „dazwischen“ zu sein, sind typische Marker – nicht für alle gleich, aber für sehr viele in irgendeiner Form erlebbar und belastend. Ein weiterer Übergang ist das Eingehen und Gestalten bindender Beziehungen (Partnerschaft, Familie, enge Freundschaften): Entwicklungspsychologisch wird diese Lebensphase häufig als Aufgabe beschrieben, Nähe und Verbindlichkeit aufzubauen, ohne sich selbst zu verlieren.


In der Lebensmitte häufen sich „Rekalibrierungen“ – die oft zitierte Midlifekrises: berufliche Neuorientierungen, mehr Verantwortung (für Kinder, Teams oder Angehörige), manchmal Trennungen oder die Erfahrung, dass Ziele und Werte überprüft werden müssen, da Vorstellungen, wie das eigene Leben sein wird, sich in der Realität anders darstellt. Auch wenn die konkreten Ereignisse variieren, ist der Rollenwandel typisch: Viele Menschen bewegen sich von „Aufbau“ zu „Erhalten und Weitergeben“, etwa durch Sorgearbeit, Mentoring oder gesellschaftliches Engagement.


Später wird der Übergang in ein höheres Alter zunehmend als eigene Entwicklungsphase diskutiert („Emerging Elderhood“): Gesundheit, Prioritäten, Zeitperspektive und soziale Rollen verschieben sich, oft bevor formale Marker wie Pensionierung eintreten. Die Pension bzw. der Ausstieg aus dem Erwerbsleben ist dann ein besonders sichtbarer Einschnitt: Tagesstruktur, Anerkennung, soziale Kontakte und Sinnquellen verändern sich – und das kann sowohl Entlastung als auch Identitätsarbeit bedeuten. Sich proaktiv mit der 3. Lebensphase, am Besten bereits vor der Pensionierung, auseinanderzusetzen und als große Chance Verpasstes nachzuholen, eigene Prozesse neu zu gestalten uvm.


Schließlich gibt es Übergänge, die zwar nicht bei allen „gleich“ stattfinden, aber dennoch fast jeden Menschen berühren: Verluste, Abschied und Trauer (etwa durch Tod im Umfeld) sowie körperliche Veränderungen und zunehmende Endlichkeit. Entwicklungsmodelle beschreiben für das höhere Alter häufig die Aufgabe, das eigene Leben zu integrieren (Bilanz, Akzeptanz, Versöhnung) statt in Verbitterung oder Verzweiflung stecken zu bleiben.


Lebensübergänge sind keine Ausnahme,

sondern das „Betriebssystem“ des Lebenslaufs –

sie unterbrechen Routinen, erhöhen kurzfristig Unsicherheit

und eröffnen zugleich die Chance,

das eigene Leben bewusster zu gestalten.



3. Typische Phasen eines Lebensübergangs


Kein Lebensübergang verläuft linear. Jedoch lassen sich gemeinsame Muster erkennen. Der amerikanische Autor und Berater William Bridges beschreibt drei Phasen, die Menschen in Übergangsprozessen durchlaufen – und die jeder in seinem eigenen Tempo bewältigt:


Phase 1 – Das Loslassen


Altes endet. Vertraute Rollen, Beziehungen oder Lebensentwürfe verlieren ihre Gültigkeit. Diese Phase ist oft geprägt von Trauer, Widerstand und dem Bedürfnis, das Vergangene festzuhalten. Viele Menschen unterschätzen, wie viel Zeit und Raum dieses innere Abschiednehmen braucht.


Phase 2 – Die neutrale Zone


Der Boden des Alten ist verlassen, der des Neuen noch nicht gefunden. Diese Zwischenphase fühlt sich oft orientierungslos, manchmal beängstigend an. Und doch: Sie ist der kreativste Raum im gesamten Übergangsprozess. Hier entsteht Neues – in der Stille, im Innehalten, in den widersprüchlichen Gefühlen,  in der Begegnung mit anderen und sich selbst.

Feder in der Morgensonne als Symbol für einen Neuanfang
Krise als Neuanfang

Phase 3 – Der Neuanfang


Schritt für Schritt beginnt ein neues Bild vom eigenen Leben Gestalt anzunehmen. Neue Überzeugungen, neue Rollen, neue Möglichkeiten werden erlebt – nicht als Plan, sondern als inneres Ankommen, als gelebten neuen Alltag.


Bridges betont ausdrücklich: Diese Phasen überlappen sich, kehren wieder und verlaufen individuell verschieden. Es gibt kein „richtig" oder „zu langsam" – nur Ihren ganz persönlichen Rhythmus.




4. Die drei Dimensionen der Veränderung


Echte, nachhaltige Veränderung geschieht niemals allein durch kognitive Entscheidungen. Sie muss auf drei Ebenen gleichzeitig wirksam werden:


Die kognitive Ebene (Gedanken)


Hier werden alte Glaubenssätze sichtbar und hinterfragbar – „Ich bin nicht genug", „Ich muss es allen recht machen". Durch Reflexion und neue Erfahrungen reorganisiert das Gehirn seine synaptischen Verbindungen – die Neurowissenschaft nennt das Neuroplastizität. Kognitive Einsicht allein reicht jedoch selten aus.


Die emotionale Ebene (Gefühle)


Emotionen sind der eigentliche Motor von Veränderung. Veränderung geschieht selten, nur weil wir etwas begriffen haben. Sie geschieht, wenn wir von etwas berührt sind – von Leidensdruck oder von einem positiven Bild unserer Zukunft.

Sowohl das Leid – Angst, Scham, Trauer – als auch positive Gefühle wie Freude, Neugierde oder das Aufflackern von Hoffnung ziehen uns in neue Richtungen und lassen Veränderungen möglich werden.


Die körperliche Dimension (somatische Marker)


Der Körper erinnert sich an Dinge, die der Verstand längst verdrängt hat. Muskelverspannungen, Atemblockaden, ein beklemmendes Gefühl in der Brust – all das sind körperliche Zeichen, die auf innere Prozesse hinweisen. Körperorientierte Zugänge arbeiten gezielt mit diesen somatischen Markern, um Veränderung nicht nur zu denken, sondern physisch zu verankern und erlebbar zu machen.


Der Körper ist kein bloßer „Behälter“ des Geistes, sondern ein sensibler Resonanzraum für unsere Geschichte.


  • Emotionen zeigen sich im Körper – in Muskeltonus, Atmung, Haltung, Mimik.

  • Veränderungsprozesse spiegeln sich in körperlichen Veränderungen wider: Aufrechtere Haltung, freier Atem, mehr Bewegungsdrang.

  • Durch gezielte Körperwahrnehmung (z. B. Bodenkontakt spüren, Atem beobachten, kleine Bewegungsimpulse) können Menschen besser regulieren, was innerlich geschieht.


Diese drei Ebenen – Kopf, Herz und Körper – müssen zusammenwirken, damit Veränderung nicht nur angestrebt, sondern tief in die Persönlichkeit integriert wird.


5. Fünf Tools zur Selbstreflexion


Sie müssen nicht auf den nächsten großen Einschnitt warten, um in Kontakt mit sich selbst zu kommen. Diese fünf einfachen Übungen können Sie bereits heute beginnen:


① Das Drei-Fragen-Journal (abends, 5 Minuten) 


Schreiben Sie täglich: Was lief gut? Was hat mich herausgefordert? Was möchte ich morgen anders erleben? Regelmäßige Reflexion dieser Art stärkt das Bewusstsein für eigene Muster und Ressourcen.


② Die Wunderfrage (systemische Intervention) 


Stellen Sie sich vor: Heute Nacht geschieht ein Wunder – und das Problem, das Sie beschäftigt, ist gelöst. Was wäre morgen früh anders? Woran würden Sie es merken? Wer sonst würde es bemerken? – Diese Frage lenkt den Blick weg vom Problem hin zu möglichen Lösungsräumen.


③ Das Lebensqualitäts-Mandala (kreativ, A3-Blatt) 


Tragen Sie in die Mitte das Wort „Ich heute" ein. Ordnen Sie drumherum die Bereiche ein, die Ihre Lebensqualität ausmachen: Beziehungen, Arbeit, Körper, Freude, Sinn. Dann: Was ist bereits da? Was wünschen Sie sich mehr davon? Dieses Tool aus der persönlichen Zukunftsplanung macht Ihre inneren Prioritäten sichtbar und regt tiefes Nachdenken an.


④ Ziele positiv aufladen (motivationspsychologische Übung) 


Formulieren Sie drei konkrete Ziele (am Besten nach dem SMART-Modell) – mindestens eines davon klein und leicht erreichbar. Schreiben Sie dazu: Warum ist mir dieses Ziel wichtig? Und: Wie werde ich mich fühlen, wenn ich es erreicht habe? Dieses emotionale Vorwegnehmen stärkt die innere Motivation nachhaltig.


⑤ Die Körperwahrnehmungs-Übung (2 Minuten, jederzeit) 


Setzen Sie sich aufrecht hin, schließen Sie die Augen. Atmen Sie dreimal tief ein und aus. Fragen Sie sich dabei: Wo im Körper spüre ich gerade Spannung? Wo Weite? Was möchte mein Körper mir sagen? Sein Sie neugierig, wie eine Forscherin, ein Beobachter, mit großer Offenheit für Überraschendes. Je weniger Vorannahmen, desto mehr Möglichkeiten. Diese einfache Übung verbindet Sie mit Ihren somatischen Markern – und öffnet einen Zugang zur körpereigenen Weisheit. Umso öfter Sie diese Übung machen, umso einfacher und hilfreicher werden Sie sie erleben.


6. Wann professionelle Begleitung sinnvoll ist – und eine Einladung


Selbstreflexion ist wertvoll. Und doch stoßen wir allein an Grenzen. Wenn alte Muster sich hartnäckig wiederholen, wenn Sie in der neutralen Zone feststecken, wenn die emotionale Belastung zunimmt oder Entscheidungsprozesse Sie lähmen – dann ist professionelle Begleitung nicht Schwäche, sondern Klugheit.


  • Sie drehen sich immer wieder im selben Kreis – trotz guter Einsichten und Vorsätze.

  • Ihre Lebensfreude, Schlaf, Konzentration oder Beziehungen sind merklich beeinträchtigt.

  • Sie erleben starke innere Leere, Sinnlosigkeit oder Hoffnungslosigkeit.

  • Alte, belastende Erfahrungen drängen sich auf und lassen sich nicht mehr wegdrücken.

  • Sie wünschen sich eine fachlich fundierte, aber menschlich zugewandte Gegenüber-Person, um neue Perspektiven zu entwickeln.


7. Coaching für Lebensübergänge in Wien und Niederösterreich: Um Krisen als Chance zu nutzen


Unterstützung bei persönlichen Entwicklungsprozessen, Lebensübergängen und Umbruchphasen.


In der Begleitung verbinden wir:


  • Sinnfragen („Wofür will ich leben?“),

  • systemische, lösungsfokussierte Perspektiven („Was funktioniert bereits? Welche kleinen Schritte sind möglich?“)

  • körperorientierte Zugänge („Wie spüren Sie, dass etwas für Sie stimmig ist?“).

  • und spirituelle Aspekte und Erfahrungen.


Der Mensch wird dabei als Ganzheit betrachtet: Geist, Seele und Körper sind keine getrennten Instanzen – sie wirken zusammen und brauchen gemeinsame Aufmerksamkeit.


„Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum.

In diesem Raum liegt unsere Freiheit

und unsere Kraft zu wachsen." 

Viktor Frankl


📍 Praxis in 1080 Wien | Öffentlich gut erreichbar für Menschen in Wien, Niederösterreich oder dem Burgenland


8. Walk and Talk Coaching im Augarten und Grünen Prater in Wien


Besonders einladend für Menschen, die aus eingefahrenen Denkmustern herausmöchten, ist mein Walk & Talk-Angebot: Beratung und Coaching in Bewegung – im Augarten oder im Grünen Prater in Wien.


Wer sich körperlich bewegt, denkt anders. Der Rhythmus der Schritte, das Grün, die frische Luft, die Begegnungen – all das schafft einen Raum, in dem Neues und Unerwartetes entstehen kann, das im Bürostuhl vielleicht verschlossen bliebe.


Dieses Angebot richtet sich an alle Menschen im Osten Österreichs – in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland –, die sich einen lebendigen Ort des Aufbruchs wünschen.


Bereit für den ersten Schritt? Ich begleite Sie gerne – im Gespräch, auf einem gemeinsamen Weg, oder beidem. Nicht weil Sie müssen, sondern weil Sie dürfen.


🌿 Walk & Talk im Augarten & Grünen Prater



Herzliche Grüße


Thomas Manhartsberger




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